Im Dunkeln, ist gut munkeln…

Januar 29, 2015 in Allgemein

Das Motto unserer Vorstellung am Freitag lautete ungewollt „immer mal was Neues“. Und dabei beginnt es wie an jedem Aufführungswochenende:

14:00 Uhr.
Im Waldreitersaal treffen die Ersten ein und beginnen damit diesen herzurichten. Die Stuhlreihen werden aufgebaut und die letzten Details am Bühnenbild korrigiert.

15:30 Uhr.
Nachdem alles erledigt ist, setzt man sich in gemütlicher Runde zusammen und tauscht sich aus. Man berichtet darüber wie man sich fühlt, was man sich für den Abend wünscht, macht noch letzte Verbesserungsvorschläge von Dingen, die einem an der letzten Vorstellung aufgefallen sind oder tauscht Rückmeldungen aus dem Publikum aus.

16:00 Uhr.
Es folgt das Anspielen. Ein bis zwei besondere Szenen werden nochmal wiederholt, um den Textfluss zu sichern und die Schauspieler für die Aufführung aufzuwärmen.

18:00 Uhr.
Als letztes vor dem großen Auftritt steht die Ruhephase. Dieses wichtige Zeitfenster, in dem sich alle Akteure nochmal sammeln, in Ruhe geschminkt werden und ein letztes Mal in sich kehren, damit sie auf der Bühne alles geben können. Doch nicht am Freitag.
Das Warmspielen ist gerade beendet, die Mitglieder des Ensembles ziehen sich in ihre Refugien zurück. Während die eine sich in die Garderobe begibt, um dort ein paar letzte Blicke ins Textbuch zu werfen, geht der andere nochmal seine persönlichen Requisiten durch und sorgt dafür, dass diese alle an ihrem Platz liegen. Einer schottet sich mit Kopfhörern und lauter Musik von der Außenwelt ab. Und noch jemand sorgt mit leichten Übungen für etwas Bewegung…

18:20 Uhr
…und das Licht geht aus!

Von einem Moment auf den anderen ist die Ruhe wie weggeblasen und Hektik bricht aus. Zuerst wird der Stromkasten kontrolliert, ob eine Sicherung raus ist. Doch ein zufälliger Blick auf die Straße macht klar: Das ist kein internes Problem! Große Teile von Großhansdorf sind ohne Strom. Zunächst versuchen wir uns zu beruhigen: Es sind noch über anderthalb Stunden bis zur Aufführung. Bis dahin wird der Strom wieder da sein. Und wir warten… 5 Minuten… 15 Minuten… 30 Minuten…

18:50 Uhr.
Die ersten Zuschauer kommen langsam an. Und mit Ihnen kommen auch die ersten Fragen. Habt ihr auch keinen Strom? Wird die Aufführung stattfinden? Und was ist, wenn nicht? Ein Anruf beim Stromversorger bringt uns nicht viel weiter. Eine Störung im 10kV-Netz. Reparatur dauert noch mindestens 1-1,5 Stunden, möglicherweise aber auch deutlich länger.

19:00 Uhr.
Die Besucher treffen nicht mehr nur vereinzelt ein. Dankbarerweise wartet unser Publikum geduldig mit uns ab. Niemand wird ungehalten. Jeder versteht, dass auch wir noch nichts Genaues sagen können. Ein Krisenrat wird einberufen und ein Worst-Case-Szenario durchgespielt. Was machen wir, wenn der Strom nicht wieder kommt. Wann sagen wir die Vorstellung ab?

19:15 Uhr.
Einfach nur die Karten zurücknehmen ist für uns keine Lösung. Der Kartenverkauf ist bereits so weit fortgeschritten, dass nicht mehr alle Zuschauer die Chance hätten, sich das Stück an einem anderen Termin anzusehen.

19:30 Uhr.
Also: Ein Ersatztermin muss her. Ein zusätzlicher Aufführungstag ist kaum möglich, daher entscheiden wir uns für eine Nachmittagsvorstellung am nächsten Aufführungssamstag. Ein grober Zeitplan wird erstellt.

19:40 Uhr.
Das Ensemble ist sich einig. Zwei Aufführungen an einem Tag – eine Premiere für das Theater Hoisdorf. Noch nicht dagewesen und verbunden mit sehr viel Stress. Schließlich wartet nach der Abendaufführung auch noch der Abbau und Abtransport des Bühnenbilds…

19:50 Uhr.
…und das Licht geht wieder an!

Alle Spieler sprinten in die Garderobe und machen sich fertig. Umziehen, schminken, Kontrolle der Requisiten. Alles in nie dagewesener Geschwindigkeit.

20:30 Uhr.
Der Vorhang öffnet sich!

Wir hoffen wir konnten den Stress, den wir an diesem Abend hatten, für Sie – liebes Publikum – von der Bühne fernhalten und haben Ihnen einen unvergesslichen Abend bereitet. Sie können sich sicher sein: Uns wird er immer in Erinnerung bleiben!

Wir möchten an dieser Stelle unserem Publikum danken, dass es gemeinsam mit uns geduldig gewartet hat. Und wir danken jenen fleißigen, unbekannten Helfern, die an einem kalten Freitagabend die Stromversorgung so schnell und pünktlich wieder hergestellt haben.